Den ein oder anderen mag es verwundert haben, dass in letzter
Zeit so viel über den kleinen- meist nur Kennern bekannten- Verein FC
Polonia Wuppertal berichtet wurde. Ein Verein, der erst seit knapp fünf
Jahren existiert, entstanden aus der Idee polnischen Einwanderern einen
Treffpunkt zu bieten. Inzwischen ist der Verein eine eingeschworene
Gemeinschaft mit ihrem ganz eigenen Sinn zu feiern, sich auszutauschen
und ein Stückchen Heimatgefühl aufrechtzuhalten. Um Fussball geht es
natürlich auch. Mit dem ehrgeizigen Ziel zweimal hintereinander
aufzusteigen- die Bezirksliga fest im Blick-hat man es geschafft lokal
namhafte Spieler von diesem Projekt zu überzeugen. Ursprünglich mit der
Vorstellung vor allem polnisch-stämmige Spieler zu verpflichten, ist der
Verein mittlerweile multikulturell geworden. Und das ist auch gut so.
Schließlich verbindet Fussball- unabhängig von Bildungsstand, Klassen
und auch Herkunft.
Für die Polen und die Poleninteressierten
des Vereins ist es eine perfekte Chance Land und Leute einem etwas
breiteren Publikum vorzustellen. Die Polen werden dieses Phänomen
kennen- man ist angepasst, kennt Deutschland wie seine eigene
Westentasche, doch im Gegenzug wissen viele Deutsche nur sehr wenig über
seinen Nachbarn im Osten. So langsam schwinden diskriminierende
Polenwitze- doch es besteht noch reichlich Handlungsbedarf. Wie sehr man
trotzdem noch mit gewissen Vorurteilen zu kämpfen hat wissen nicht nur
hier lebende Polen, sondern auch polnische Konzerne, die erfolgreich in
den Westen exportieren- jedoch aus werbe-taktischen Gründen ihre
Herkunft lieber verschleiern. Beispielsweise hat
ein Posener Bus-Hersteller den ersten
europäischen Stadtbus mir Hybridantrieb in Serie gebracht. Mehrere
deutsche Städte gehören zu seinen Kunden - darunter die Berliner und
Hannöverschen Verkehrsbetriebe- Trotz dieses Erfolges( übrigens handelt
es sich um das Unternehmen Solaris) benennt das Unternehmen seine
Fabrikate mit folgenden, italienisch-klingenden Namen: Alpino, Vacanza,
Urbino etc. Man weiß wohl, dass ein offenes Bekenntnis zur Herkunft des
Unternehmens die Erfolgschancen der Produkte schmälern könnte. Dem
Unternehmen kann man da aber keinen Vorwurf machen. Noch immer wird
Polen eher als rückständiges Land betrachtet- da ist es für viele
leichter einfach zu leugnen woher man kommt. Der
einen oder anderen Privatperson mag es so ähnlich ergehen, wie diesem
Unternehmen. Anders als die Italiener, Griechen
oder Türken, verkriecht man sich als Pole eher und die eigene Identität
bleibt auf der Strecke. So wichtig Integration auch ist- man muss seine
Herkunft nicht völlig leugnen.
Wenn man
als Pole zum FC Polonia Wuppertal kommt, kann man sich für ein paar
Stunden von diesen Zwängen befreien. Das soll dennoch nicht heißen, dass
dies ein exklusiver Zirkel von Menschen ist , die Nicht-Polen
ausschließt. Wer die Polen ein wenig kennt, weiß, wie sehr man es
schätzt, wenn z.B. der deutsche Arbeitskollege-trotz aller gängigen
Polen-Klischees-Interesse an dem Land zeigt, sich nach lohnenswerten
Urlaubszielen ( und davon gibt es in Polen eine Menge)erkundigt- oder
die neulich entdeckten kulinarischen Besonderheiten lobt. Der FC Polonia
Wuppertal begrüßt dieses Interesse und es wird mit Sicherheit positiv
belohnt- ob mit einem kühlen Tyskie-Bier (übrigens erfüllt es das
deutsche Reinheitsgebot ;-), einer lustigen Stimmung oder der
Erkenntnis, dass man doch viel mehr gemeinsam hat- egal auf welcher
Seite der Grenze man das Licht der Welt erblickte oder gar auf welchem
Kontinent!
Mit dem Interesse an unseren Mannschaften, einem
größeren Publikum und hoffentlich einer erfolgreichen Saison, möchte der
FC Polonia Wuppertal auch ein paar Klischees über Bord werfen.
Völkerverständigung
und Toleranz kann man auch im kleinen Rahmen betreiben- oft
funktioniert dies besser als es uns die Politik vormacht.
gez.: A.Pomykol - FC POLONIA WUPPERTAL